Über den Zusammenhang der thierischen Natur des Menschen mit seiner geistigen (Schiller)

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Über den Zusammenhang der thierischen Natur des Menschen mit seiner geistigen
1780
Inhaltsangabe des Buches
Das Original liest sich in 77 Minuten
Kurzbeschreibung
Ein deutscher Denker untersuchte die Einheit von Körper und Geist. Er zeigte ihre Wechselwirkung in Entwicklung und Ausdruck. Selbst scheinbare Nachteile wie Müdigkeit dienten der Vollkommenheit.

Sehr kurze Zusammenfassung

Deutschland, 18. Jahrhundert. Schiller untersuchte in seiner philosophischen Abhandlung den Zusammenhang zwischen der körperlichen und geistigen Natur des Menschen. Er widerlegte dabei zwei extreme Positionen: dass der Körper ein Gefängnis des Geistes sei und dass die Vollkommenheit des Menschen nur in der Verbesserung des Körpers liege.

Er zeigte, wie die tierische Natur die Tätigkeit des Geistes unterstützte und festigte. Die Seelenwirkungen waren an die Tätigkeit der Materie gebunden, und der Organismus der Ernährung und Zeugung sicherte die Fortdauer des Lebens. Die tierischen Empfindungen dienten als Warnsystem für den Körper und zwangen den Geist zur Sorge um die physische Existenz.

Schiller erläuterte, wie die tierischen Triebe die geistigen Kräfte weckten und entwickelten. Der Mensch musste erst Tier sein, bevor er seinen Geist entfalten konnte. Die Bedürfnisse des Körpers führten zu Erfindungen, Künsten und Wissenschaften.

Dies ist die wunderbare und merkwürdige Sympathie, die die heterogenen Principien des Menschen gleichsam zu einem Wesen macht, der Mensch ist nicht Seele und Körper, der Mensch ist die innigste Vermischung.

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Die körperlichen Phänomene verrieten die Bewegungen des Geistes durch die Physiognomie. Jeder Affekt hatte seine spezifischen Äußerungen, und edle Gefühle verschönerten den Körper, während niedrige ihn entstellten. Selbst der scheinbare Nachteil der tierischen Natur, wie Ermüdung und Schlaf, erwies sich als Quelle der Vollkommenheit, da er vor Überanstrengung schützte.

Am Ende löste sich die Verbindung zwischen Körper und Geist auf natürliche Weise, wenn der Geist seinen Zweck erfüllt hatte. Die Materie kehrte in ihre Elemente zurück, während die Seele in anderen Kreisen ihre Denkkraft weiter übte.

Ausführliche Zusammenfassung nach Hauptabschnitten

Die Unterteilung der Hauptabschnitte ist redaktionell.

Einleitung

Schiller setzte sich mit zwei gegensätzlichen philosophischen Positionen auseinander: Die eine betrachtete den Körper als Gefängnis des Geistes, der dessen Streben nach Vollkommenheit behindere. Die andere sah die körperliche Verbesserung als eigentliches Ziel und die geistige Entwicklung nur als Mittel dazu. Beide Ansichten lehnte Schiller als einseitig ab und plädierte für einen Mittelweg, der die Wechselwirkung zwischen Körper und Geist berücksichtigt.

Sein Ziel war es, den bedeutenden Beitrag des Körpers zu den seelischen Tätigkeiten und den Einfluss des Empfindungssystems auf das Geistige zu untersuchen. Dabei wollte er weder in den Materialismus des Epikur noch in den Stoizismus verfallen, der die Tugend zum höchsten Gut erklärt.

Thierische Natur befestiget die Thätigkeit des Geists

Grundlagen des Organismus

Die Vollkommenheit des Menschen liegt in der Übung seiner Kräfte durch Betrachtung des Weltplans. Dabei muss zwischen der Kraft und ihrem Zweck eine genaue Harmonie bestehen. Die Tätigkeit der menschlichen Seele ist jedoch an die Materie gebunden. Veränderungen in der Körperwelt müssen durch die Sinne modifiziert werden, bevor sie Vorstellungen erzeugen können.

So zwang der Körper den Geist, auf die Erscheinungen um ihn her zu achten, so machte er ihm die Welt interessant und wichtig, weil er sie ihm unentbehrlich machte.

Thierisches Leben und Empfindungen

Die tierischen Empfindungen entstehen nicht durch Denken, sondern durch körperliche Zustände. Sie sollen den Willen zu Abscheu oder Begierde bestimmen, ohne in das Gebiet der Vernunft zu reichen. Der angenehme Zustand der Organe wird mit Lust, ihr schlechter Zustand mit Unlust verbunden. Diese Empfindungen haben einen doppelten Grund: im gegenwärtigen Zustand der Maschine und im Empfindungsvermögen.

Ein Beispiel für die Macht der tierischen Empfindungen über den Geist zeigte sich bei Mucius, der seine Hand in Flammen hielt.

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Mucius — römischer Held, der seine Hand in Flammen hielt und dabei stoische Ruhe bewahrte.

Thierische Triebe wecken und entwickeln die geistigen

Theoretische Grundlagen

Um die Entwicklung des Geistes zu verstehen, betrachtete Schiller zunächst einen hypothetischen Menschen ohne Körper. Dieser könnte keine ersten Ideen bilden, da jede Idee eine vorherige Idee voraussetzt. Erst durch die Verbindung mit dem Körper und dessen Empfindungen wird der erste Anstoß zum Denken gegeben.

Der Mensch mußte Thier sein, eh er wußte, daß er ein Geist war; er mußte am Staube kriechen, eh er den Newtonischen Flug durchs Universum wagte. Der Körper also der erste Sporn zur Thätigkeit.

Historische Beweise

Die Geschichte der Menschheit bestätigt diese These: Hunger und Not trieben den Menschen zu Erfindungen und Entdeckungen. Der Luxus führte zu weiteren Fortschritten in Wissenschaft und Kunst. Selbst Krankheiten förderten medizinische Erkenntnisse. So trug der Körper mit seinen Bedürfnissen zur geistigen Entwicklung bei.

Der Geist, wenn er einmal in den Geheimnissen einer höhern Wollust eingeweiht worden ist, würde mit Verachtung auf die Bewegungen seines Gefährten herabsehen, wenn ihn nicht das thierische Gefühl dazu zwänge.

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Thierische Empfindungen begleiten die geistigen

Wechselwirkung von Geist und Körper

Zwischen Geist und Körper besteht eine enge Wechselwirkung. Geistige Lust wird von körperlicher Lust begleitet, geistige Unlust von körperlicher Unlust. Der Zustand größter Seelenlust ist zugleich der Zustand größten körperlichen Wohlbefindens.

Jeder angenehme Affekt ist die Quelle unzähliger körperlicher Lüste... So ist demnach der Zustand der größten augenblicklichen Seelenlust zugleich der Zustand des größten körperlichen Wohls.

Bruder Martin beschrieb die belebende Wirkung des Weins auf Geist und Körper.

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Bruder Martin — mönch, der über die wirkung des weins spricht.

Umgekehrt können schwere Seelenschmerzen den Körper zerstören. Dies zeigte sich am Beispiel des sterbenden Winchester.

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Winchester — sterbender mann, der in verzweiflung heult.

So ist es also ein zweites Gesetz der gemischten Naturen, daß mit der freien Thätigkeit der Organe auch ein freier Fluß der Empfindungen und Ideen, daß mit der Zerrüttung derselbigen auch eine Zerrüttung des Denkens.

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Einschränkungen und Ausnahmen

Es gibt jedoch Ausnahmen von dieser Regel. Extreme Freude kann tödlich sein, wenn sie die Grenzen der Gesundheit überschreitet. Andererseits können negative Affekte wie Zorn manchmal heilsam wirken, indem sie Verstopfungen lösen. Dies macht sie jedoch nicht zu etwas Gutem, so wie auch heilsame Krankheiten nicht aufhören, Krankheiten zu sein.

Körperliche Phänomene verrathen die Bewegungen des Geists

Die enge Verbindung zwischen Körper und Geist zeigt sich auch in der Physiognomik. Jeder Affekt hat seine spezifischen körperlichen Äußerungen und seinen eigenen Dialekt. Edle und wohlwollende Affekte verschönern den Körper, während niederträchtige ihn entstellen.

Es ist ein bewundernswürdiges Gesetz der Weisheit, daß jeder edle und wohlwollende Affekt den Körper verschönert, den der niederträchtige und gehässige in viehische Formen zerreißt.

Auch der Nachlaß der thierischen Natur ist eine Quelle von Vollkommenheit

Notwendigkeit und Erklärung des Nachlasses

Der Nachlass der tierischen Natur, insbesondere der Schlaf, scheint zunächst ein Nachteil zu sein, da er uns einen Teil unseres Daseins raubt. Doch gerade diese Einschränkung ist notwendig und nützlich. Jede Empfindung, ob Lust oder Schmerz, wächst ihrer Natur nach ins Unendliche und würde ohne Begrenzung zur Zerstörung führen.

Vortrefflichkeit und Trennung

Der Schlaf erweist sich als heilsame Einrichtung, die das Gleichgewicht wiederherstellt. Er versiegelt das Auge des Kummers, nimmt dem Staatsmann die Bürde der Regierung ab und gibt dem Kranken Ruhe. Am Ende des Lebens trennt sich der Geist vom Körper, um in anderen Kreisen seine Denkkraft zu üben und das Universum von anderen Seiten zu betrachten.