Der Neffe als Onkel (Schiller)
Sehr kurze Zusammenfassung
Paris, vermutlich Ende des 18. Jahrhunderts. Der junge Offizier Franz von Dorsigny kehrte heimlich aus seiner Garnison zurück, da er sich mit seinem Vorgesetzten duelliert hatte.
Um unerkannt zu bleiben, verkleidete er sich als sein Onkel, der gerade verreist war. In dieser Verkleidung erfuhr er, dass seine Cousine Sophie mit einem gewissen Lormeuil verheiratet werden sollte. Mit Hilfe seines Dieners Champagne schmiedete er einen Plan: Als falscher Onkel gab er seine Einwilligung zur Heirat zwischen Sophie und seinem Neffen.
Die Situation verkomplizierte sich, als der echte Onkel unerwartet zurückkehrte. Champagne versuchte die Lage zu retten, indem er die Polizei verständigte, die den echten Oberst für den verkleideten Neffen hielt und nach Straßburg zurückbringen wollte. Der Oberst war außer sich vor Wut.
Wahrhaftig, meine Frau ist die Närrin nicht, für die ich sie hielt - und einen solchen Schelmstreich sollte ich so hingehen lassen? Nein, Gott verdamm' mich, wenn ich nicht auf der Stelle meine volle Rache dafür nehme.
Schließlich löste sich alles in Wohlgefallen auf: Lormeuil, der sich in Franz' Schwester verliebt hatte, verzichtete auf Sophie. Der Oberst gab seinen Widerstand auf und willigte in die Hochzeit zwischen seinem Neffen und seiner Tochter ein.
Ausführliche Zusammenfassung nach Akten
Die Titel der Akte und ihre Unterteilung in Szenen sind redaktionell.
Akt 1. Die Verwechslung beginnt
Valcours Rendezvous und Dorsignys Plan
Im Gartensaal des Hauses von Oberst Dorsigny erschien Valcour, der ein mysteriöses Rendezvous-Billet erhalten hatte. Kurz darauf traf Franz von Dorsigny ein, der sich als seinen Onkel verkleidet hatte.
Franz erklärte seinem Freund, dass er sich nach einem Duell mit seinem Oberstleutnant aus seiner Garnison entfernt hatte und nun in Paris untertauchen musste. Um nicht erkannt zu werden, hatte er sich als sein Onkel verkleidet, dem er zum Verwechseln ähnlich sah.
Zum Glück brauche ich seinen Beistand so gar nöthig nicht - Es ist mir weniger um das Verbergen zu thun, als um meine liebe Cousine Sophie wieder zu sehen.
Die erste Täuschung gelingt
Als seine Schwester, Frau von Mirville, erschien, erkannte sie ihn zunächst nicht und hielt ihn tatsächlich für den Onkel. Von ihr erfuhr Franz, dass Sophie mit einem gewissen Lormeuil verheiratet werden sollte, den der Onkel als Bräutigam ausgewählt hatte.
Champagnes List mit dem Brief
Champagne, der Diener von Franz, entwickelte einen Plan: Franz sollte weiterhin den Onkel spielen und in dieser Rolle die geplante Heirat mit Lormeuil aufheben. Gleichzeitig sollte ein Brief von Franz als Neffe eintreffen, in dem er um Sophies Hand anhielt.
Der Plan gelang zunächst: Franz traf als vermeintlicher Onkel auf seine Tante und Sophie. In einem Gespräch mit Sophie erfuhr er zu seiner Freude, dass sie ihren Cousin Franz liebte. Er gab vor, diese Verbindung zu unterstützen, während Champagne als Kurier den vorbereiteten Liebesbrief überbrachte.
Akt 2. Verwirrung und Verdacht
Der echte Onkel kehrt zurück
Die Situation verkomplizierte sich, als der echte Oberst Dorsigny unerwartet von seiner Reise zurückkehrte. Er brachte Lormeuil mit, den er als Bräutigam für Sophie ausgewählt hatte. Zu seiner Verwunderung verhielten sich alle im Haus merkwürdig und sprachen von Ereignissen, von denen er nichts wusste.
Wahrhaftig, die ganze Hölle ist heute losgelassen. Dieser Taugenichts von Neffe begnügte sich nicht, seine Schulden mit meinem Gelde zu bezahlen; er macht auch noch neue auf meinen Kredit.
Champagnes fataler Fehler
Die Verwirrung erreichte ihren Höhepunkt, als Champagne den echten Oberst für seinen verkleideten Herrn hielt und ihm den ganzen Plan verriet. Der Oberst war außer sich vor Wut, als er erfuhr, wie sein Neffe seine Identität missbraucht hatte.
Mein Schelm von Neffen macht einen schönen Gebrauch von meiner Gestalt. Nun, so unterzeichnet! Und dieser Schelm, der Champagne, soll mir für alle zusammen bezahlen.
Akt 3. Die Auflösung
Die Polizei greift ein
Champagne, der seinen Fehler wiedergutmachen wollte, ersann einen neuen Plan. Er alarmierte die Polizei und behauptete, dass sich zwei Männer duellieren wollten. Die Polizei erschien und verhaftete versehentlich den echten Oberst, den sie für den Neffen hielt, der angeblich unerlaubt seine Garnison verlassen hatte.
Alles klärt sich auf
Während der Oberst widerwillig nach Straßburg transportiert wurde, entwickelte sich die Situation überraschend positiv. Lormeuil, der Sophie kennengelernt hatte, erkannte ihre Liebe zu Franz und verzichtete großmütig auf die Heirat. Stattdessen verliebte er sich in Frau von Mirville.
Sie haben eine Eroberung gemacht, Schwester! Der Lormeuil ist Knall und Fall sterblich in dich verliebt worden. Eben hat er mir das Geständniß gethan, weil er glaubte mit dem Onkel zu reden!
Schließlich klärte sich alles auf: Der Oberst wurde von der Polizei freigelassen, Valcour hatte inzwischen erwirkt, dass Franz nicht mehr wegen des Duells verfolgt wurde. Als der Oberst die allgemeine Zuneigung zwischen den jungen Paaren sah, gab er schließlich seinen Segen zu beiden Verbindungen.