Der Parasit (Picard)
Sehr kurze Zusammenfassung
Paris, zur Zeit der französischen Revolution. Der Minister Narbonne suchte einen fähigen Mann für einen wichtigen Gesandtschaftsposten. Sein Untergebener Selicour strebte nach dieser Position und versuchte gleichzeitig, die Hand von Narbonnes Tochter Charlotte zu gewinnen.
La Roche, ein entlassener Mitarbeiter, versuchte Selicours wahren Charakter aufzudecken, scheiterte aber zunächst. Der talentierte Beamte Firmin und sein Sohn Karl, der Charlotte liebte, wurden in die Intrige verwickelt. Selicour nutzte heimlich Firmins Fähigkeiten, um eine wichtige politische Denkschrift zu verfassen, und gab sie als seine eigene aus. Auch ein Gedicht von Karl präsentierte er als sein Werk.
Als der Minister vorgab, in Ungnade gefallen zu sein, enthüllte sich Selicours wahrer Charakter. Er versuchte, sich von der vermeintlich gefährlichen Denkschrift zu distanzieren. In diesem Moment trat Firmin vor und erklärte:
Den Ruhm dieser Arbeit konnt' ich dem Herrn Selicour gern überlassen, aber nicht so die Gefahr und die Verantwortung - Ich habe geschwiegen bis jetzt, aber nun muß ich mich nennen!
Die Täuschung des Ministers war nur eine Falle gewesen. Selicour wurde als Betrüger entlarvt, nachdem er auch versucht hatte, dem Minister eine angebliche Liebesaffäre anzudichten. Narbonne ernannte den ehrlichen Firmin zum Gesandten und gab seine Einwilligung zur Verbindung zwischen Karl und Charlotte.
Am Ende triumphierte die Wahrheit über die Intrige: Der talentierte und bescheidene Firmin erhielt die Gesandtschaft, sein Sohn Karl gewann Charlottens Hand, und der Parasit Selicour wurde aus seiner erschlichenen Position vertrieben.
Ausführliche Zusammenfassung nach Akten
Die Titel der Akte und ihre Unterteilung in Szenen sind redaktionell.
Akt 1. Selicours Intrigen beginnen
Im Vorzimmer des Ministers Narbonne trafen sich Karl Firmin und sein Vater. Karl erzählte aufgeregt, dass er Charlotte, die Tochter des Ministers, wiedergesehen hatte. Er kannte sie von früher aus Colmar, wo er sie im Haus ihrer Tante besuchte.
La Roches Anklage gegen Selicour
La Roche, ein weiterer Angestellter des Ministers, trat hinzu und berichtete aufgebracht, dass er seine Stelle verloren hatte. Er beschuldigte Selicour, ihn aus dem Amt gedrängt zu haben, um einen Verwandten des Kammerdieners einzustellen.
Das schwänzelte um den Lehrmeister herum und horchte und schmeichelte und wußte sich fremdes Verdienst zuzueignen und seine Eier in fremde Nester zu legen. Das erschrak vor keiner Niederträchtigkeit.
Karls heimliche Liebe zu Charlotte
Karl gestand seinem Vater seine tiefe Liebe zu Charlotte. Firmin mahnte zur Vernunft, da Charlotte aus einer reichen und vornehmen Familie stamme, während sie nur bescheiden leben könnten. Karl hingegen war überzeugt, dass sein Vater mit seinen Fähigkeiten selbst Minister sein könnte, wenn er sich nur mehr zutrauen würde.
Akt 2. Der Minister prüft Selicour
Das diplomatische Examen
Minister Narbonne unterhielt sich mit Selicour über die Anforderungen an einen Gesandten. Er prüfte dessen diplomatische Kenntnisse, besonders über Italien. Selicour wich geschickt aus und versprach, eine ausführliche Abhandlung über Venedig vorzulegen.
Selicours Ausflüchte und neue Pläne
Als La Roche den Minister aufsuchte und Selicour erneut beschuldigte, verteidigte sich dieser geschickt. Er stellte sich als fürsorglichen Freund dar, der La Roche sogar befördern wollte. Der Minister war von Selicours Aufrichtigkeit überzeugt und wies La Roches Anschuldigungen zurück.
Krieg, Krieg zwischen uns und keine Versöhnung! Hier, sehe ich, würde alles weitre Reden vergeblich sein! Aber wiewohl der Spitzbube mich aufs Äußerste treibt, lieber tausendmal Hungers sterben, als ihm mein Brot verdanken.
Akt 3. Firmins Verdienste kommen ans Licht
La Roches neue Strategie
La Roche entwickelte einen neuen Plan, um Selicour zu entlarven. Er wollte Firmin als den wahren Verfasser wichtiger Dokumente enthüllen und gleichzeitig Karl helfen, Charlotte für sich zu gewinnen. Narbonne hatte inzwischen Firmin und seinen Sohn zum Abendessen eingeladen.
Selicours Manipulation der Familie
Selicour schmeichelte sich bei Madame Belmont, der Mutter des Ministers, ein. Er gab vor, musikalisch begabt zu sein und versprach, eine Romanze für Charlotte zu komponieren. Tatsächlich hatte er Karl Firmin das Gedicht abgeschwatzt.
Akt 4. Die Wahrheit kommt ans Licht
Selicours wahre Natur zeigt sich
Selicour erfuhr von Michel, dem Kammerdiener, dass der Minister ein Quartier in der Vorstadt suchte. Er vermutete ein Liebesabenteuer und bot sich als diskreter Helfer an. Tatsächlich wollte Narbonne dort einer bedürftigen Offizierswitwe helfen.
Sind das unsere Freunde, die unsern Lastern dienen? Aus Freundschaft will er alles für mich tun, sagt er! Sind das unsere Freunde, die unsern Lastern dienen?
Der Minister durchschaut das Spiel
Beim Abendessen wurde Charlottens Lied vorgetragen. Selicour gab sich als Verfasser aus, während Karl schweigen musste. Gleichzeitig wurde ein wichtiges Memoire gelobt, das eigentlich von Firmin stammte. Der Minister begann, Selicours wahren Charakter zu durchschauen.
Mag sich der Unfähige einer schimpflichen Trägheit ergeben! Der Mann von Talent, der sein Vaterland liebet, sucht selbst das Auge seines Chefs und bewirbt sich um die Stelle, die er zu verdienen sich bewußt ist.
Akt 5. Selicours Sturz
Die letzte Intrige scheitert
La Roche setzte seinen Plan in die Tat um. Er täuschte vor, der Minister sei entlassen worden, und beobachtete Selicours Reaktion. Dieser zeigte sofort seine wahre Natur, indem er sich von Narbonne distanzierte.
So ist das Talent geächtet, so ist die Redlichkeit ein Verbrechen in diesem verderbten Lande! Der rechtschaffene Mann behauptet sich kaum einen Tag lang, und das Glück bleibt nur dem Nichtswürdigen getreu.
Gerechtigkeit siegt
Als die Wahrheit ans Licht kam, wurde Firmin als wahrer Verfasser des Memoires erkannt und zum Gesandten ernannt. Karl und Charlotte durften endlich ihre Liebe gestehen. Selicour wurde entlarvt und verlor seine Position.
Das Gespinst der Lüge umstrickt den Besten, der Redliche kann nicht durchdringen, die kriechende Mittelmäßigkeit kommt weiter als das geflügelte Talent: der Schein regiert die Welt.