Der Richter und sein Henker (DĂŒrrenmatt)
Sehr kurze Zusammenfassung
Schweiz, November 1948. In der NÀhe von Twann wurde der Polizeileutnant Schmied in seinem blauen Mercedes erschossen aufgefunden. Mit der AufklÀrung des Falls wurde KommissÀr BÀrlach beauftragt.
BĂ€rlach lieĂ sich den Detektiv Tschanz als Mitarbeiter zuteilen.
Die Ermittlungen fĂŒhrten zu einem einflussreichen Mann namens Gastmann, mit dem BĂ€rlach seit vierzig Jahren in einem persönlichen Konflikt stand.
Damals hatten sie in Istanbul eine Wette abgeschlossen: Gastmann behauptete, er könne vor BĂ€rlachs Augen ein Verbrechen begehen, das dieser ihm nie wĂŒrde nachweisen können. BĂ€rlach wusste von Anfang an, dass Tschanz der Mörder Schmieds war, nutzte ihn aber, um endlich Gastmann zur Strecke zu bringen. Bei einer nĂ€chtlichen Konfrontation erschoss Tschanz Gastmann und seine beiden Diener.
Da haben Sie mich und Gastmann aufeinander gehetzt wie Tiere! Bestie gegen Bestie, kam es unerbittlich vom andern Lehnstuhl her. Dann waren Sie der Richter, und ich der Henker, keuchte der andere.
Bei einem letzten Abendessen konfrontierte BĂ€rlach Tschanz mit der Wahrheit. Er hatte ihn als Werkzeug benutzt, um seinen alten Widersacher Gastmann zu richten. Tschanz, der Schmied aus Eifersucht getötet hatte, fuhr in dieser Nacht mit seinem Auto gegen einen Zug. BĂ€rlach blieb zurĂŒck, todkrank und mit der Gewissheit, nur noch ein Jahr zu leben.
AusfĂŒhrliche Zusammenfassung
Die Einteilung in Abschnitte ist redaktionell.
Der Mord an Schmied
Am Morgen des 3. November 1948 fand der Polizist Alphons Clenin auf der StraĂe von Lamboing nach Twann einen blauen Mercedes. Im Wagen entdeckte er einen toten Mann, der durch SchĂŒsse in die SchlĂ€fen getötet worden war.
Statt den Tatort zu sichern, brachte Clenin den Wagen samt Leiche nach Biel. Aus den Papieren des Toten ging hervor, dass es sich um den Berner Polizeileutnant Ulrich Schmied handelte.
Erste Ermittlungen und BĂ€rlachs Verdacht
Mit den Ermittlungen wurde KommissÀr Hans BÀrlach beauftragt, der Schmieds Vorgesetzter gewesen war. BÀrlach bat darum, den Detektiv Tschanz als Mitarbeiter zugeteilt zu bekommen.
BĂ€rlach besuchte Schmieds Unterkunft bei der Familie Schönler und fand dort eine Mappe mit Unterlagen. GegenĂŒber seinem Vorgesetzten, dem Untersuchungsrichter Dr. Lucius Lutz, schwieg er ĂŒber seinen Verdacht bezĂŒglich des TĂ€ters.
Die Spur fĂŒhrt zu Gastmann
BĂ€rlach und Tschanz fuhren am Abend nach Lamboing. Dort wurden sie von einem riesigen Bluthund angegriffen. Tschanz erschoss das Tier und rettete damit scheinbar BĂ€rlachs Leben. Der Hund gehörte einem gewissen Gastmann, der in einem groĂen Haus am Ortsrand lebte.
So hatte ihn das Böse immer wieder in seinen Bann gezogen, das groĂe RĂ€tsel, das zu lösen ihn immer wieder aufs neue verlockte. Und wie nun der Hund plötzlich ansprang, gab der Alte keinen Laut von sich.
Gastmanns Anwalt, der Nationalrat und Oberst von Schwendi, protestierte bei Lutz gegen die Ermittlungen. Er behauptete, in Gastmanns Haus fÀnden wichtige geheime Wirtschaftsverhandlungen statt. Lutz ordnete daraufhin an, Gastmann nicht weiter zu belÀstigen.
BĂ€rlachs Vergangenheit mit Gastmann
BĂ€rlach und Gastmann kannten sich seit vierzig Jahren. In einer Istanbuler Kneipe hatten sie damals eine folgenschwere Wette abgeschlossen: Gastmann behauptete, er könne vor BĂ€rlachs Augen ein Verbrechen begehen, das dieser ihm nie wĂŒrde nachweisen können. TatsĂ€chlich stieĂ er kurz darauf einen deutschen Kaufmann von einer BrĂŒcke.
Bei ihm ist das Böse nicht der Ausdruck einer Philosophie oder eines Triebes, sondern seiner Freiheit: der Freiheit des Nichts. FĂŒr diese Freiheit gebe ich keinen Pfennig, antwortete der Alte.
BĂ€rlach besuchte mit Tschanz einen Schriftsteller in Schernelz, der Gastmann gut kannte. Dieser beschrieb Gastmann als Nihilisten, der das Böse aus reiner WillkĂŒr tue.
Der nĂ€chtliche Ăberfall
In der Nacht wurde BĂ€rlach in seiner Wohnung ĂŒberfallen. Der Eindringling trug braune Lederhandschuhe und versuchte, ihn mit einem tĂŒrkischen Messer zu töten. BĂ€rlach konnte den Angreifer durch einen Trick vertreiben, indem er mehrmals aus dem Fenster schoss und so die Nachbarn alarmierte.
BĂ€rlachs Plan nimmt Gestalt an
Von seinem Arzt und alten Schulfreund Dr. Hungertobel erfuhr BĂ€rlach, dass er todkrank war und nur noch ein Jahr zu leben hatte. Jemand hatte in Hungertobels Praxis eingebrochen und BĂ€rlachs Krankenakte studiert.
Tschanz zeigte zunehmend seine Eifersucht auf den toten Schmied. Er hatte dessen blauen Mercedes gekauft und ging nun mit Schmieds ehemaliger Verlobten Anna aus.
Jahrelang bin ich im Schatten gestanden, KommissĂ€r. Immer hat man mich ĂŒbergangen, miĂachtet, als letzten Dreck benutzt, als besseren BrieftrĂ€ger! Nur weil er bessere Schulen hatte!
Die Konfrontation mit Gastmann
BĂ€rlach traf Gastmann und kĂŒndigte ihm an, dass er noch am selben Tag sterben wĂŒrde. Er hatte einen Henker ausgewĂ€hlt, der Gastmann fĂŒr ein Verbrechen richten sollte, das dieser gar nicht begangen hatte.
Ich habe dich gerichtet, Gastmann, ich habe dich zum Tode verurteilt. Der Henker, den ich ausersehen habe, wird heute zu dir kommen. Er wird dich töten, denn das muà nun eben einmal getan werden.
Tschanz fuhr zu Gastmanns Haus. Bei der Konfrontation erschoss er Gastmann und dessen beide Diener. Er wurde dabei leicht verletzt. Die offizielle Version lautete, dass Gastmann Schmied getötet habe und Tschanz den Fall aufgeklÀrt habe.
Die Wahrheit kommt ans Licht
BĂ€rlach lud Tschanz zu einem ĂŒppigen Abendessen ein. WĂ€hrend er selbst gierig aĂ und trank, eröffnete er Tschanz, dass er von Anfang an gewusst hatte, dass dieser Schmied ermordet hatte. Die Kugel aus dem erschossenen Hund stammte aus derselben Waffe wie die Kugeln, die Schmied getötet hatten.
Nur noch ein Jahr, hörte Lutz den zum Fenster hinaus in den glÀsernen Morgen starrenden Alten sagen. Nur noch ein Jahr. Die ungeheure, gierige Lebenskraft sank in sich zusammen.
BĂ€rlach hatte Tschanz bewusst als Werkzeug benutzt, um Gastmann zur Strecke zu bringen. Am nĂ€chsten Morgen erfuhr er, dass Tschanz mit seinem Wagen tödlich verunglĂŒckt war. BĂ€rlach selbst blieb nur noch ein Jahr zu leben.