Der zerbrochene Krug (Kleist)
Sehr kurze Zusammenfassung
In einem niederländischen Dorf bei Utrecht fand eine Gerichtsverhandlung statt. Der Dorfrichter Adam erschien mit Verletzungen am Kopf und ohne Perücke zum Prozess, bei dem ausgerechnet der Gerichtsrat Walter aus Utrecht zur Inspektion anwesend war.
Frau Marthe klagte den Bauernburschen Ruprecht an, in der Nacht zuvor einen wertvollen Krug in der Kammer ihrer Tochter Eve zerbrochen zu haben. Ruprecht beteuerte seine Unschuld und behauptete, einen Fremden aus dem Fenster springen gesehen zu haben. Eve schwieg beharrlich über die wahren Ereignisse.
Im Laufe der Verhandlung verstrickte sich Richter Adam in Widersprüche. Eine Zeugin berichtete von einem Mann mit Pferdefuß, der nachts aus Eves Kammer geflohen war. Die Spuren führten zum Haus des Richters. Eine gefundene Perücke wurde als Adams Eigentum identifiziert.
Es stellte sich heraus, dass Adam Eve mit einem gefälschten Dokument erpresst hatte. Er behauptete, Ruprecht könne nur durch ein fingiertes Krankheitsattest dem Militärdienst in Batavia entgehen. Als Eve sich weigerte, seine Forderungen zu erfüllen, versuchte er, sie zu überwältigen.
Er, der Richter Adam, hat den Krug zerbrochen! Er war bei deiner Eve gestern! Auf! Fass' ihn! Schmeiß ihn jetzo, wie du willst.
Adam floh aus dem Gerichtssaal, wurde seines Amtes enthoben und der Schreiber Licht zu seinem Nachfolger ernannt. Eve und Ruprecht versöhnten sich, während Frau Marthe ankündigte, wegen ihres zerbrochenen Kruges vor das Gericht in Utrecht zu ziehen.
Ausführliche Zusammenfassung nach Auftritten
Die beschreibenden Titel der Auftritte sind redaktionell.
Erster Auftritt. Adam verbindet seine Wunden
In einem niederländischen Dorf bei Utrecht saß Dorfrichter Adam eines Morgens in seinem Amtszimmer und verband sich ein verletztes Bein. Als sein Schreiber Licht eintrat, bemerkte dieser Adams zahlreiche Verletzungen - nicht nur am Bein, sondern auch im Gesicht.
Auf diesem glatten Boden, ist ein Strauch hier? Gestrauchelt bin ich hier; denn jeder trägt Den leid'gen Stein zum Anstoß in sich selbst.
Adam verstrickte sich in widersprüchliche Erklärungen für seine Verletzungen. Erst behauptete er, er sei beim Aufstehen gestürzt, dann erzählte er von einem Kampf mit einem Ziegenbock am Ofen. Licht bemerkte skeptisch, dass Adams linker Fuß, sein 'Klumpfuß', besonders in Mitleidenschaft gezogen war.
Zweiter Auftritt. Die Ankunft des Gerichtsrats
Plötzlich erfuhr Adam von einer unerwarteten Inspektion: Der Gerichtsrat Walter aus Utrecht war auf dem Weg zu ihnen. In der Nachbargemeinde Holla hatte er bereits den dortigen Richter wegen Unregelmäßigkeiten suspendiert. Adam reagierte nervös auf diese Nachricht.
Dritter Auftritt. Die Kläger erscheinen
Frau Marthe Rull erschien mit ihrer Tochter Eve, dem Bauern Veit Tümpel und dessen Sohn Ruprecht vor Gericht. Sie brachte einen zerbrochenen Krug als Beweismittel mit.
Vierter Auftritt. Der Prozess beginnt
Als der Prozess begann, zeigte Frau Marthe den zerbrochenen Krug und erzählte dessen Geschichte. Der Krug hatte eine besondere Bedeutung - auf ihm waren historische Szenen der niederländischen Geschichte abgebildet.
Seht ihr den Krug, ihr wertgeschätzten Herren? Seht ihr den Krug? Nichts seht ihr, mit Verlaub, die Scherben seht ihr; Der Krüge schönster ist entzwei geschlagen.
Fünfter Auftritt. Die Vernehmung der Parteien
Frau Marthe beschuldigte Ruprecht, in der Nacht in Eves Kammer eingedrungen zu sein und dabei den Krug zerbrochen zu haben. Ruprecht bestritt dies und erzählte seine Version der Ereignisse: Er habe einen Fremden aus Eves Kammer fliehen sehen und diesen mit der Türklinke angegriffen.
O liebste Mutter, folgt mir, ich beschwör Euch, Laßt diesem Unglückszimmer uns entfliehen! Es ist des Himmels wunderbare Fügung, Die mir den Mund in dieser Sache schließt.
Sechster Auftritt. Adams Versuche der Verzögerung
Adam versuchte mehrfach, den Prozess zu verzögern oder zu unterbrechen. Er klagte über Unwohlsein und schlug vor, die Verhandlung zu vertagen. Walter durchschaute diese Manöver und bestand auf der Fortsetzung des Prozesses.
Siebenter Auftritt. Adams Nervosität wächst
Eve weigerte sich beharrlich, den nächtlichen Eindringling zu identifizieren. Ihre Loyalität schien zwischen der Wahrheit und dem Schutz einer Person zu schwanken. Adam wurde zunehmend nervöser, besonders als Eve andeutete, dass sie mehr wusste, als sie zu sagen bereit war.
Pfui, Ruprecht, pfui, o schäme dich, daß du Mir nicht in meiner Tat vertrauen kannst. Gab ich die Hand dir nicht, und sagte: ja, Als du mich fragtest: Eve, willst du mich?
Achter Auftritt. Die Magd bringt Wein
Um Zeit zu gewinnen, ließ Adam Wein servieren. Walter nahm widerwillig an, bestand aber darauf, die Verhandlung zügig fortzusetzen. Die Unterbrechung nutzte Adam für weitere Verzögerungsversuche.
Neunter Auftritt. Das Mahl wird aufgetragen
Während des improvisierten Mahls versuchte Walter, mehr über die Beziehungen zwischen den Beteiligten herauszufinden. Er fragte nach Adams Besuchen bei Frau Marthe und stellte fest, dass Adam seit neun Wochen nicht mehr in ihrem Haus gewesen war.
Zehnter Auftritt. Die Perücke wird gefunden
Die Situation spitzte sich zu, als Frau Brigitte mit einer gefundenen Perücke erschien. Sie hatte diese im Weinstock unter Eves Fenster gefunden. Zusammen mit merkwürdigen Fußspuren - einem normalen Fuß und einem klumpigen Abdruck - ergab sich ein belastendes Bild.
Hier auf dem Richterstuhl von Huisum sitz ich, Und lege die Perücke auf den Tisch: Den, der behauptet, daß sie mein gehört, Fordr ich vors Oberlandgericht in Utrecht.
Elfter Auftritt. Die Wahrheit kommt ans Licht
Eve brach schließlich ihr Schweigen. Sie enthüllte, dass Adam sie in der Nacht aufgesucht und bedrängt hatte. Er hatte ihr ein gefälschtes Attest angeboten, das Ruprecht von der Konskription befreien sollte, und dafür unmoralische Gegenleistungen gefordert. Als sie sich wehrte, war der Krug zu Bruch gegangen.
Nichtswürd'ger! Wert, vor allem Volk ihn schmachvoll Vom Tribunal zu jagen! Was Euch schützt, Ist einzig nur die Ehre des Gerichts.
Letzter Auftritt. Adams Flucht
Als seine Machenschaften aufflogen, ergriff Adam die Flucht. Walter suspendierte ihn von seinem Amt und setzte Licht als vorläufigen Richter ein. Ruprecht und Eve versöhnten sich, während Frau Marthe ankündigte, wegen des zerbrochenen Kruges vor das Obergericht in Utrecht zu ziehen.