Die Jungfrau von Orleans (Schiller)
Sehr kurze Zusammenfassung
Frankreich, 15. Jahrhundert. Während des Hundertjährigen Krieges stand das französische Königreich kurz vor der Niederlage gegen England. Die junge Schäferin Johanna erhielt von Gott den Auftrag, Frankreich zu retten.
Sie verließ ihre Familie und überzeugte den französischen Thronfolger Karl von ihrer göttlichen Mission. Als Kriegerin führte sie das französische Heer von Sieg zu Sieg und befreite Orleans von der englischen Belagerung. Auch gelang es ihr, den Herzog von Burgund wieder auf die französische Seite zu bringen.
Während der Kämpfe begegnete Johanna dem englischen Heerführer Lionel. Entgegen ihrem göttlichen Auftrag, alle Engländer zu töten, verschonte sie ihn aus aufkeimender Zuneigung. Diese Verfehlung gegen ihre Mission lastete schwer auf ihr.
Bei der Krönungszeremonie Karls in Reims erschien Johannas Vater und klagte sie der Hexerei an. Da sie sich nicht verteidigte, wurde sie verstoßen. Auf der Flucht geriet sie in englische Gefangenschaft. Im entscheidenden Kampf zwischen Franzosen und Engländern befreite sie sich, wurde aber tödlich verwundet.
Sterbend versöhnte sie sich mit König Karl und ihrer göttlichen Mission. In ihren letzten Momenten hatte sie eine Vision des Himmels und der Jungfrau Maria.
Kurz ist der Schmerz und ewig ist die Freude! Die Fahne entfällt ihr, sie sinkt tot darauf nieder - Alle stehen lange in sprachloser Rührung.
Mit ihrem Tod als Märtyrerin erfüllte Johanna ihre göttliche Mission vollständig: Frankreich war gerettet, der rechtmäßige König gekrönt und die englische Bedrohung abgewendet.
Ausführliche Zusammenfassung nach Aufzügen
Die Titel der Aufzüge und ihre Unterteilung in Abschnitte sind redaktionell.
Prolog. Die Berufung der Hirtin
Thibauts Warnung und Johannas Schweigen
In einem französischen Dorf nahe Dom Remi versammelte ein wohlhabender Bauer seine drei Töchter und deren Freier. Während er die Hochzeit seiner beiden älteren Töchter arrangierte, sorgte er sich um seine jüngste Tochter Johanna.
Thibaut warnte vor der drohenden englischen Invasion und der Gefahr für Frankreich. Er berichtete von beunruhigenden Träumen, in denen er seine Tochter Johanna auf dem Thron in Reims sah, was er als schlechtes Omen deutete. Er sorgte sich um ihr seltsames Verhalten, ihre Einsamkeit und ihre nächtlichen Besuche bei einem alten Druidenbaum.
Die göttliche Vision und Johannas Abschied
Allein zurückgeblieben, offenbarte Johanna in einem Monolog ihre göttliche Berufung. Die Jungfrau Maria war ihr erschienen und hatte ihr aufgetragen, Frankreich zu retten. Sie sollte das Schwert gegen die Feinde führen und den Dauphin nach Reims zur Krönung geleiten.
Die reine Jungfrau nur kann es vollenden. Ich bin die Kriegerin des höchsten Gottes, Und keinem Manne kann ich Gattin sein. Berufen bin ich zu ganz anderm Werk.
In einem bewegenden Abschied von ihrer Heimat nahm Johanna Abschied von den vertrauten Bergen, Tälern und ihrer friedlichen Existenz als Hirtin.
Lebt wohl ihr Berge, ihr geliebten Triften, ihr traulich stillen Täler lebet wohl! Johanna wird nun nicht mehr auf euch wandeln, Johanna sagt euch ewig Lebewohl!
Aufzug 1. Am Hofe zu Chinon
Die Verzweiflung des Königs
Am Hof zu Chinon herrschte eine düstere Stimmung. Der junge König Karl VII. stand kurz davor, sein Reich zu verlieren. Orleans war von den Engländern belagert, seine Mutter hatte sich gegen ihn gewandt, und seine Kassen waren leer.
Seine Geliebte Agnes Sorel versuchte, ihn aufzumuntern und bot sogar ihren Schmuck an, um die Truppen zu bezahlen. Der Graf Dunois, ein treuer Unterstützer des Königs, drängte zum Kampf um Orleans.
Johannas Ankunft und Prophezeiung
Inmitten dieser Verzweiflung traf die Nachricht von einem wundersamen Sieg ein. Eine junge Hirtin hatte mit göttlicher Hilfe eine englische Übermacht besiegt. Kurz darauf erschien Johanna am Hof und erkannte den verkleideten König unter allen Anwesenden.
Nicht mein Geschlecht beschwöre! Nenne mich nicht Weib. Gleichwie die körperlosen Geister, die nicht frein auf irdsche Weise, schließ ich mich an kein Geschlecht der Menschen an.
Sie offenbarte dem König den Inhalt seiner geheimen Gebete und verkündete ihre göttliche Mission. Mit einem besonderen Schwert aus der Kirche von Fierboys wollte sie Frankreich befreien und den König nach Reims zur Krönung führen. Ihre übernatürliche Weisheit und ihr Mut überzeugten den Hof von ihrer göttlichen Sendung.
Aufzug 2. Die ersten Siege
Die englischen Heerführer
Die englischen Heerführer Talbot und Lionel mussten eine schwere Niederlage hinnehmen. Talbot, der stolze Feldherr, konnte nicht fassen, dass eine Frau seine Truppen in die Flucht geschlagen hatte.
Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens. Erhabene Vernunft, lichthelle Tochter des göttlichen Hauptes, weise Gründerin des Weltgebäudes, Führerin der Sterne.
Johannas Kampf mit Montgomery
In der Schlacht traf Johanna auf den jungen englischen Ritter Montgomery. Trotz seiner flehentlichen Bitten um Gnade tötete sie ihn im Zweikampf, ihrer göttlichen Mission folgend. Sie zeigte sich unerbittlich gegenüber den Feinden Frankreichs, obwohl ihr das Töten schwerfiel.
Die Versöhnung mit Burgund
Ein entscheidender Wendepunkt war die Begegnung mit dem Herzog von Burgund, der bisher auf der Seite der Engländer gekämpft hatte. Johanna appellierte an sein französisches Herz und bewegte ihn zur Versöhnung mit dem König.
Aufzug 3. Johannas innerer Konflikt
Die Werbungen um Johanna
Nach ihren Siegen warben sowohl Graf Dunois als auch La Hire um Johannas Hand. Sie lehnte beide ab und erinnerte an ihr Gelübde, unvermählt zu bleiben und nur Gott zu dienen. Der König unterstützte ihre Entscheidung, erhob sie in den Adelsstand und verlieh ihr das Recht, die Lilie im Wappen zu tragen.
Die Begegnung mit Lionel
In einer schicksalhaften Begegnung traf Johanna auf den englischen Heerführer Lionel. Zum ersten Mal in ihrem Leben wurde sie von menschlichen Gefühlen überwältigt. Statt ihn zu töten, wie es ihre Mission verlangte, ließ sie ihn entkommen.
Aufzug 4. Johannas Fall
Die Krönungsfeier in Reims
In Reims bereitete man die Krönung Karls VII. vor. Johanna fühlte sich zerrissen zwischen ihrer göttlichen Mission und ihrer menschlichen Schwäche. Ihre Schwestern erkannten sie wieder, wagten aber nicht, sie anzusprechen. Die Festlichkeiten wurden von düsteren Vorzeichen überschattet.
Thibauts Anklage und Johannas Schweigen
Während der Krönungsfeierlichkeiten trat plötzlich Johannas Vater Thibaut auf und klagte sie öffentlich der Hexerei an. Er behauptete, sie habe ihre Seele dem Teufel verkauft. Als Donner und Blitz die Anklage zu bestätigen schienen, schwieg Johanna zu den Vorwürfen.
Selbst ihre treuesten Unterstützer, Dunois und La Hire, wandten sich von ihr ab, als sie sich nicht verteidigte. Der König verbannte sie vom Hof. Nur der einfache Bauernjunge Raimond stand ihr noch bei und begleitete sie in die Verbannung.
Aufzug 5. Erlösung und Tod
Gefangenschaft und Befreiung
Auf ihrer Flucht geriet Johanna in die Gefangenschaft der Königin Isabeau, die sie an die Engländer ausliefern wollte. In einem Turm gefangen, hörte sie von der drohenden Niederlage der Franzosen.
In ihrer tiefsten Not betete sie zu Gott und wurde erhört. Mit übermenschlicher Kraft sprengte sie ihre Ketten, ergriff ein Schwert und eilte zum Schlachtfeld. Ihre plötzliche Erscheinung wendete den Kampf zugunsten der Franzosen.
Der letzte Kampf und Johannas Tod
Im entscheidenden Kampf wurde Johanna tödlich verwundet. Sterbend versöhnte sie sich mit ihrem göttlichen Auftrag. Der König, Dunois und alle anderen erkannten ihre Unschuld und heilige Sendung. Sie starb als Märtyrerin für Frankreich, von einer himmlischen Vision begleitet.
Seht ihr den Regenbogen in der Luft? Der Himmel öffnet seine goldnen Tore, im Chor der Engel steht sie glänzend da, sie hält den ewgen Sohn an ihrer Brust.
Nichtswürdig ist die Nation, die nicht ihr Alles freudig setzt an ihre Ehre! Das ist das Schicksal und Gesetz der Welt. Der Franke weiß es nicht und wills nicht anders.