Erste Menschengesellschaft (Schiller)
Sehr kurze Zusammenfassung
Am Anfang der Menschheit lebte der erste Mensch im Naturzustand, geleitet von Instinkten. Die Natur sorgte für seine Bedürfnisse, und er lebte in einem paradiesischen Zustand der Unschuld.
Als seine Vernunft erwachte, löste er sich von den Instinkten und begann, selbstständig zu denken und zu handeln. Dies war der erste Schritt zur moralischen Freiheit.
Dieser Abfall des Menschen vom Instinkte, der das moralische Uebel zwar in die Schöpfung brachte, aber nur um das moralische Gute darin möglich zu machen, ist ohne Widerspruch die glücklichste und größte Begebenheit.
Der Mensch musste nun für sich selbst sorgen, Werkzeuge erfinden und sich gegen wilde Tiere verteidigen. Mit der Geburt der ersten Kinder entwickelte sich die Familie. Die Eltern gaben ihr Wissen an die Kinder weiter, wodurch sich die Kultur weiterentwickelte. Einer der Söhne wurde Ackerbauer, der andere Hirte.
Durch die unterschiedlichen Lebensweisen entstanden erste soziale Unterschiede und Konflikte. Die ersten Könige waren ursprünglich Anführer von Jagdgruppen, die durch ihre Stärke und ihren Erfolg bei der Bekämpfung wilder Tiere Macht erlangten. So entwickelte sich aus der ursprünglichen Gleichheit eine hierarchische Gesellschaftsordnung.
Ausführliche Zusammenfassung nach Kapiteln
Übergang des Menschen zur Freiheit und Humanität
Am Anfang wurde der Mensch von der Vorsehung durch Instinkte geleitet. Seine Vernunft war noch unentwickelt, und die Natur sorgte für alle seine Bedürfnisse. Hunger und Durst zeigten ihm an, wann er Nahrung brauchte, die reichlich vorhanden war. Ein sanftes Klima schützte seine Nacktheit, und der allgemeine Friede sicherte sein wehrloses Leben.
Er sollte den Stand der Unschuld, den er jetzt verlor, wieder aufsuchen lernen durch seine Vernunft und als ein freier, vernünftiger Geist dahin zurück kommen, wovon er als Pflanze und als eine Creatur des Instinkts ausgegangen war.
Der Mensch musste sich von seinen Instinkten lösen und seine Vernunft entwickeln. Dies geschah, als er zum ersten Mal gegen den Instinkt handelte und vom Baum der Erkenntnis aß. Dieser Abfall vom Instinkt war der erste Schritt zur moralischen Freiheit und der Beginn seines moralischen Daseins. Obwohl dies das moralische Übel in die Welt brachte, war es zugleich die Voraussetzung für das moralische Gute.
Häusliches Leben
Die ersten Kinder der Menschen hatten einen wichtigen Vorteil gegenüber ihren Eltern: Sie wurden von Menschen erzogen. Alle Fortschritte, die ihre Eltern mühsam selbst erarbeitet hatten, wurden ihnen von klein auf vermittelt.
Mit dem ersten Sohn also, der vom Weibe geboren war, fängt das große Werkzeug an, wirksam zu werden – das Werkzeug, durch welches das ganze Menschengeschlecht seine Bildung erhalten hat: die Tradition.
Die Geburt und Erziehung der Kinder brachte neue Erfahrungen und Pflichten mit sich. Die Mutter lernte von den Tieren die notwendigen Mutterpflichten und entwickelte neue Fähigkeiten in der Kinderpflege. Die elterliche Liebe war von reinerer Art als die bisherige Geschlechtsliebe, da sie völlig uneigennützig war.
Verschiedenheit der Lebensweise
Mit dem Fortschritt der Kultur teilte sich die Menschheit in verschiedene Lebensweisen auf. Der erste Mensch baute den Acker, während einer seiner Söhne sich der Viehzucht widmete.
Der Ackerbauer war an seinen Boden gebunden und musste hart arbeiten, während der Hirte ein freies und gemächliches Leben führte. Dies führte zu Neid und Missgunst. Als die Herden des Hirten die Pflanzungen des Ackerbauers zerstörten, kam es zum ersten gewaltsamen Konflikt zwischen Menschen.
Aufgehobene Standesgleichheit
Die Abhängigkeit der Menschen von Menschen fing an. Die Natur der Dinge hatte es einführen müssen, daß das hohe Alter von der Arbeit befreite und der Jüngling für den Greis, der Sohn für den grauen Vater die Geschäfte übernahm.
Die ursprüngliche Gleichheit der Menschen wurde durch verschiedene Faktoren aufgehoben. Einige waren weniger arbeitsam, andere vom Glück weniger begünstigt, manche schwächer geboren als andere. So entstanden Starke und Schwache, Wohlhabende und Arme.
Der Reiche wurde reicher durch des Armen Fleiß; seinen Reichthum zu vermehren, vermehrte er also die Zahl seiner Knechte; Viele also sah er um sich, die minder glücklich als er waren, Viele hingen von ihm ab.
Der erste König
Nach der großen Überschwemmung mussten die Menschen ihr Land gegen wilde Tiere verteidigen. In dieser Zeit entstanden die ersten Anführer, die sich durch ihre Tapferkeit und Geschicklichkeit bei der Jagd auszeichneten.
Es scheint also dem Gang der Dinge gemäßer, daß der erste König ein Usurpator war, den nicht ein freiwilliger, einstimmiger Ruf der Nation, sondern Gewalt und Glück und eine schlagfertige Miliz auf den Thron setzten.