Geschichte des Abfalls der Niederlande (Schiller)
Sehr kurze Zusammenfassung
Die Niederlande, 1555-1567. Nach der Abdankung Karls V. übernahm sein Sohn die Herrschaft über die wohlhabenden niederländischen Provinzen.
Als Statthalterin setzte er seine Halbschwester ein.
Ein Souverän wird die bürgerliche Freiheit immer als einen veräußerten Distrikt seines Gebiets betrachten, den er wieder gewinnen muß. Die Niederländer schützten sich durch Dämme gegen ihren Ocean, und gegen ihre Fürsten durch Constitutionen.
Die Spannungen zwischen der spanischen Krone und den Niederländern verschärften sich durch Philipps Versuch, die Inquisition einzuführen und die protestantische Bewegung zu unterdrücken. Der niederländische Adel formierte Widerstand, angeführt von einem klugen Strategen.
Die Situation eskalierte mit dem Bildersturm von 1566, bei dem Protestanten katholische Kirchen verwüsteten. Margaretha gewährte zunächst Zugeständnisse, doch Philipp entsandte den Herzog von Alba mit einem Heer. Wilhelm von Oranien floh, während andere Adlige wie Graf Egmont verhaftet und hingerichtet wurden. Alba errichtete den 'Blutrat' und begann eine Schreckensherrschaft. Margaretha trat zurück, und die Niederlande versanken im Bürgerkrieg, der schließlich zur Unabhängigkeit der nördlichen Provinzen führte.
Ausführliche Zusammenfassung nach Büchern
Die erweiterten Titel der Bücher und ihre Unterteilung in Abschnitte sind redaktionell.
Einleitung
Der Abfall der Niederlande von der spanischen Krone im 16. Jahrhundert stellte eine der bemerkenswertesten Staatsbegebenheiten dar. Ein friedfertiges Volk erhob sich gegen den mächtigsten Monarchen seiner Zeit und erkämpfte seine Freiheit. Anders als bei anderen historischen Ereignissen waren es nicht einzelne Helden, die den Ausschlag gaben, sondern die Not machte aus gewöhnlichen Menschen außergewöhnliche Kämpfer.
Kein Volk auf Erden wird leichter beherrscht durch einen verständigen Fürsten, und keines schwerer durch einen Gaukler oder Tyrannen. Nirgends ist die Volksstimme eine so unfehlbare Richterin der Regierung.
Erstes Buch: Die Niederlande vor der Revolution
Geschichte und Verfassung der Niederlande
Die Geschichte der Niederlande war geprägt von ihrer günstigen geografischen Lage und dem daraus resultierenden Handel. Unter der burgundischen und später habsburgischen Herrschaft entwickelte sich eine gemischte Verfassung, die dem Bürgertum weitreichende Rechte einräumte. Karl V. vereinte die siebzehn Provinzen und förderte den Handel, respektierte dabei aber weitgehend die lokalen Freiheiten. Die Reformation fand in den Niederlanden fruchtbaren Boden, wurde jedoch durch strenge Edikte und die Inquisition bekämpft.
Die Herrschaft Philipps II. und die Inquisition
Mit der Thronbesteigung Philipps II. änderte sich der Regierungsstil grundlegend. Anders als sein Vater Karl V. sprach er kein Niederländisch und zeigte wenig Verständnis für die lokalen Traditionen. Seine Politik war von religiösem Fanatismus und dem Streben nach absoluter Macht geprägt.
Egoismus und Religion sind der Inhalt und die Ueberschrift seines ganzen Lebens. Er war König und Christ, und war beides schlecht, weil er beides vereinigen wollte; Mensch für Menschen war er niemals.
Die spanische Inquisition wurde zu einem der wichtigsten Instrumente seiner Herrschaft. Sie verbreitete Angst und Schrecken in der Bevölkerung und untergrub das Vertrauen zwischen den Menschen.
Schändung der Vernunft und Mord der Geister heißt ihr Gelübde; ihre Werkzeuge sind Schrecken und Schande. Jede Leidenschaft steht in ihrem Solde, ihre Schlinge liegt in jeder Freude des Lebens.
Wilhelm von Oranien und Margaretha von Parma
Als Statthalterin der Niederlande setzte Philipp seine Halbschwester Margaretha von Parma ein. Sie sollte als Vermittlerin zwischen spanischen und niederländischen Interessen dienen.
Zu den einflussreichsten Persönlichkeiten dieser Zeit gehörte Wilhelm von Oranien, der sich zum Führer des Widerstands gegen die spanische Politik entwickelte.
Wilhelm von Oranien gehörte zu den hagern und blassen Menschen, wie Cäsar sie nennt, die des Nachts nicht schlafen und zu viel denken, vor denen das furchtloseste aller Gemüther gewankt hat.
Zweites Buch: Der Widerstand formiert sich
Cardinal Granvella und der Staatsrat
Kardinal Granvella wurde zum wichtigsten Berater der Regentin und zum Symbol der spanischen Unterdrückung. Seine Politik zielte darauf ab, die Macht des niederländischen Adels zu brechen und die königliche Autorität zu stärken.
Der niederländische Adel, angeführt von Oranien und Egmont, leistete Widerstand gegen Granvellas Einfluss. Graf Egmont, ein populärer Kriegsheld, schwankte dabei zwischen Loyalität zum König und Sympathie für die Opposition.
Egmonts Mission und verschärfte Religionsedikte
Egmont wurde nach Madrid entsandt, um beim König für eine mildere Politik zu werben. Philipp empfing ihn freundlich, machte aber keine echten Zugeständnisse. Stattdessen verschärfte er die Religionsedikte und bestand auf der Durchsetzung der Beschlüsse des Konzils von Trient.
Drittes Buch: Der offene Aufstand
Die Verschwörung des Adels
Der niedere Adel, unzufrieden mit seiner Marginalisierung und unterstützt von protestantischen Kaufleuten, schloss sich im Kompromiss von Breda zusammen. Unter der Führung von Ludwig von Nassau und Heinrich von Brederode forderten sie die Abschaffung der Inquisition und mehr religiöse Toleranz.
Die Geusen und öffentliche Predigten
Die Verbündeten nahmen den Spottnamen 'Geusen' (Bettler) als Ehrentitel an. Protestantische Prediger hielten öffentliche Versammlungen ab, die immer mehr Zulauf fanden. Die Regentin sah sich gezwungen, einige Zugeständnisse zu machen, während Philipp II. in Madrid über eine militärische Lösung nachdachte.
Eine rohe zahlreiche Menge, zusammengeflossen aus dem untersten Pöbel, viehisch durch viehische Behandlung, von Mordbefehlen, die in jeder Stadt auf sie lauern, von Grenze zu Grenze herumgescheucht...
Viertes Buch: Die spanische Reaktion
Der Bildersturm und Bürgerkrieg
Im Sommer 1566 kam es zum Bildersturm, bei dem aufgebrachte Protestanten Kirchen plünderten und religiöse Kunstwerke zerstörten. Diese Gewaltausbrüche erschütterten das Land und gaben Philipp II. den Vorwand für ein hartes Durchgreifen. Die Regentin konnte die Ordnung nur oberflächlich wiederherstellen.
Oraniens Abdankung und Albas Ankunft
Wilhelm von Oranien erkannte die drohende Gefahr und verließ das Land. Der Herzog von Alba wurde mit einer Armee entsandt, um die Ordnung wiederherzustellen.
Man nannte Rebellion in Madrid, was in Brüssel nur eine gesetzliche Handlung hieß; die Beschwerden Brabants forderten einen staatsklugen Mittler; Philipp der Zweite sandte ihm einen Henker.
Alba errichtete den 'Rat der Unruhen', auch 'Blutrat' genannt, der tausende von Menschen zum Tode verurteilte. Er ließ die Grafen Egmont und Hoorn verhaften, die trotz ihrer früheren Verdienste für die spanische Krone keine Gnade fanden.
Beilagen: Tragische Folgen
Der Prozess gegen Egmont und Hoorn wurde in Gent geführt. Trotz ihrer Privilegien als Ritter des Goldenen Vlieses wurden sie vor ein Sondergericht gestellt. Ihre Verteidigung und die Interventionen ihrer hochrangigen Verwandten blieben erfolglos. Am 5. Juni 1568 wurden beide Grafen in Brüssel öffentlich enthauptet. Ihre Hinrichtung markierte den endgültigen Bruch zwischen Spanien und den Niederlanden.
Die Belagerung von Antwerpen durch Alexander von Parma in den Jahren 1584 und 1585 stellte einen weiteren Höhepunkt des Konflikts dar. Die reiche Handelsstadt war durch ihre Befestigungen und die Schelde gut geschützt. Parma ließ eine Schiffsbrücke über die Schelde bauen, um die Stadt zu blockieren. Trotz verzweifelter Versuche der Verteidiger, die Blockade zu durchbrechen, musste sich Antwerpen schließlich ergeben. Der Fall der Stadt besiegelte die Trennung der südlichen von den nördlichen Niederlanden.