PhÀdra (Racine)
Sehr kurze Zusammenfassung
Im antiken Griechenland kehrte Theseus, König von Athen, von einer langen Reise nicht zurĂŒck. Seine Gemahlin PhĂ€dra verzehrte sich in seiner Abwesenheit in verbotener Liebe zu ihrem Stiefsohn Hippolyt.
Als das GerĂŒcht von Theseus' Tod sich verbreitete, gestand PhĂ€dra Hippolyt ihre Liebe. Dieser war entsetzt, denn er liebte insgeheim Aricia, die letzte Ăberlebende eines verfeindeten Königsgeschlechts.
Plötzlich kehrte Theseus zurĂŒck. PhĂ€dras Amme Oenone beschuldigte aus Angst Hippolyt, ihre Herrin bedrĂ€ngt zu haben. Der wĂŒtende Theseus verbannte seinen Sohn und bat den Meeresgott Neptun um dessen Tod.
Von SchuldgefĂŒhlen geplagt und verzweifelt ĂŒber Hippolyts Liebe zu Aricia nahm PhĂ€dra Gift. Bevor sie starb, gestand sie Theseus die Wahrheit.
Die Zeit ist kostbar. Theseus, höre mich!
Ich selbst war's, die ein lasterhaftes Auge
Auf deinen keuschen Sohn zu richten wagte.
Der Himmel zĂŒndete die UnglĂŒcksflamme
Doch es war zu spÀt. Hippolyt wurde bei seiner Flucht aus der Stadt von einem Meeresungeheuer getötet, das Neptun geschickt hatte. Theseus erkannte zu spÀt seine falsche Entscheidung. Er versöhnte sich mit der trauernden Aricia und machte sie zu seiner Erbin.
Oenone hatte sich aus Verzweiflung ĂŒber ihre Tat ins Meer gestĂŒrzt. PhĂ€dra starb in dem Bewusstsein, durch ihr GestĂ€ndnis wenigstens einen Teil ihrer Schuld gesĂŒhnt zu haben.
AusfĂŒhrliche Zusammenfassung nach Akten
Die Titel der Akte und ihre Unterteilung in Szenen sind redaktionell.
Akt 1. Hippolyts GestÀndnis und PhÀdras Qual
Hippolyts AbreiseplÀne und verbotene Liebe
Die Handlung begann in Trözene, wo Hippolyt seinem Erzieher Theramen seinen Entschluss mitteilte, die Stadt zu verlassen. Seit sechs Monaten war sein Vater Theseus verschwunden, und Hippolyt wollte sich auf die Suche nach ihm machen.
Im GesprĂ€ch mit Theramen gestand Hippolyt schlieĂlich den wahren Grund seiner Unruhe: Er hatte sich in Aricia verliebt, die letzte Ăberlebende des Geschlechts der Pallantiden, die als Gefangene in Trözene lebte. Diese Liebe stellte ihn vor ein Dilemma, da sein Vater Theseus die Ehe mit Angehörigen dieses verfeindeten Geschlechts verboten hatte.
PhÀdras Leiden und verhÀngnisvolles GestÀndnis
WĂ€hrenddessen litt PhĂ€dra, Theseus' Gemahlin, unter einer verzehrenden Leidenschaft. Ihre Amme Oenone beobachtete besorgt den sich verschlechternden Zustand ihrer Herrin. Als PhĂ€dra erschöpft den Wunsch Ă€uĂerte, die Sonne ein letztes Mal zu sehen, sprach sie in einem Moment der Verzweiflung:
O sĂ€Ă' ich drauĂen in der WĂ€lder GrĂŒn! â
Wann wird mein Aug aus der bestÀubten Bahn
Des raschen Wagens flĂŒcht'gen Lauf verfolgen?
Unter dem DrĂ€ngen Oenones gestand PhĂ€dra schlieĂlich ihre verbotene Liebe zu ihrem Stiefsohn Hippolyt. Diese Leidenschaft, die sie als Fluch der Göttin Venus verstand, hatte sie lange zu verbergen versucht. Nun aber, dem Tode nahe, offenbarte sie ihr Geheimnis.
Ich liebe. Denke ja nicht, daĂ ich dies GefĂŒhl
Vor mir entschuld'ge und mir selbst vergebe,
DaĂ ich mit feiger Schonung gegen mich
Das Gift genÀhrt, das mich wahnsinnig macht
Akt 2. Die Nachricht von Theseus' Tod
Aricia und Hippolyts LiebesgestÀndnis
Die Nachricht von Theseus' vermeintlichem Tod verĂ€nderte die Situation grundlegend. Hippolyt suchte Aricia auf und gestand ihr seine Liebe. Er bot ihr nicht nur sein Herz, sondern auch den Thron von Athen an, der ihr rechtmĂ€Ăig zustehe. Aricia, die Hippolyts GefĂŒhle erwiderte, war von diesem unerwarteten GestĂ€ndnis ĂŒberwĂ€ltigt.
PhÀdras verzweifelte Leidenschaft
PhĂ€dra, nun vermeintlich frei von ihrer ehelichen Bindung, fasste den Mut, Hippolyt ihre GefĂŒhle zu gestehen. In einer dramatischen Szene offenbarte sie ihm ihre Leidenschaft, die sie als göttliche Strafe empfand. Hippolyt reagierte mit Entsetzen und Abscheu auf dieses GestĂ€ndnis seiner Stiefmutter.
Akt 3. Die unerwartete RĂŒckkehr des Theseus
Oenones verhÀngnisvoller Plan
Die ĂŒberraschende RĂŒckkehr des Theseus stĂŒrzte PhĂ€dra in neue Verzweiflung. Theseus, der aus der Unterwelt zurĂŒckgekehrt war, fand seine Familie in seltsamer Aufruhr vor. Er bemerkte die Verwirrung und sprach seine Verwunderung aus:
O welch ein SchreckniĂ ist's,
Das ringsum sich verbreitend all die Meinen
ZurĂŒck aus meiner NĂ€he schreckt? Kehr' ich
So ungewĂŒnscht und so gefĂŒrchtet wieder
Die falsche Anklage gegen Hippolyt
In ihrer Verzweiflung und auf Oenones Rat hin entschloss sich PhĂ€dra zu einer verhĂ€ngnisvollen LĂŒge. Sie lieĂ Oenone ihren Stiefsohn des versuchten Ăbergriffs beschuldigen. Die Amme ĂŒberzeugte Theseus von Hippolyts angeblicher Schuld, indem sie PhĂ€dras Verzweiflung und das zurĂŒckgelassene Schwert als Beweise anfĂŒhrte.
Akt 4. Theseus' Fluch und PhÀdras Reue
Theseus verflucht seinen Sohn
Von Zorn und EnttĂ€uschung ĂŒberwĂ€ltigt, verfluchte Theseus seinen Sohn und rief den Meeresgott Neptun an, dem er einst einen Gefallen getan hatte. Er bat den Gott, seinen Sohn zu bestrafen. Hippolyt versuchte sich zu verteidigen und gestand seinem Vater seine Liebe zu Aricia, doch Theseus deutete dies als weitere List.
PhÀdras Eifersucht und Verzweiflung
Als PhĂ€dra erfuhr, dass Hippolyt Aricia liebte, wurde sie von verzehrender Eifersucht erfasst. In ihrer Qual verfluchte sie sich selbst und ihre verbrecherischen GefĂŒhle. Ihre Worte zeigten die Tiefe ihrer Verzweiflung:
Im Blut der Unschuld will ich, racheglĂŒhend,
Die MörderhĂ€nde tauchen â Und ich lebe!
Ich Elende! Und ich ertrag' es noch,
Zu dieser heil'gen Sonne aufzublicken
Akt 5. Die tragischen Folgen
Hippolyts Tod
Neptun erhörte Theseus' Fluch. Als Hippolyt die Stadt verlieĂ, erschien ein schreckliches Meeresungeheuer, das seine Pferde in Panik versetzte. Theramen, der Zeuge des UnglĂŒcks wurde, berichtete Theseus vom grausamen Tod seines Sohnes. Seine Worte lieĂen Theseus die schreckliche Wahrheit erkennen:
O sĂŒĂe Hoffnung, die ich selbst mir raubte!
Mein Sohn! mein Sohn! Ihr unerweichten Götter,
Mir habt ihr nur zu gut gedient! â Mein Leben
Hab' ich dem ew'gen Jammer aufgespart!
PhÀdras GestÀndnis und Tod
Von Schuld zerfressen und durch Gift bereits dem Tode nahe, erschien PhĂ€dra ein letztes Mal vor Theseus. Sie gestand die Wahrheit ĂŒber ihre verhĂ€ngnisvolle Leidenschaft und Oenones verhĂ€ngnisvolle Intrige:
Der Himmel zĂŒndete die UnglĂŒcksflamme
In meinem Busen an ... Was nun geschah,
VollfĂŒhrte die verdammliche Oenone.
Mit diesem GestĂ€ndnis starb PhĂ€dra, wĂ€hrend Theseus, von Reue und Trauer ĂŒberwĂ€ltigt, zurĂŒckblieb. Er versprach, Aricia als Tochter anzunehmen und Hippolyts Andenken zu ehren. So endete die Tragödie mit dem Triumph der Wahrheit, die zu spĂ€t ans Licht kam, um die Katastrophe zu verhindern.