Der Steppenwolf (Hesse)
Sehr kurze Zusammenfassung
Eine deutsche Stadt, 1920er Jahre. Der etwa fünfzigjährige Harry Haller mietete sich in einer bürgerlichen Pension ein.
In seiner Verzweiflung und Einsamkeit begegnete er eines Abends der geheimnisvollen Hermine, die sein Leben veränderte.
Sie lehrte ihn tanzen und führte ihn in die Welt des Vergnügens ein. Durch sie lernte er die sinnliche Maria kennen und freundete sich mit dem Saxophonisten Pablo an. In einem magischen Theater erlebte Harry verschiedene Aspekte seiner Persönlichkeit.
Der Mensch ist ja keine feste und dauernde Gestaltung, er ist vielmehr ein Versuch und Übergang, er ist nichts andres als die schmale, gefährliche Brücke zwischen Natur und Geist.
Im Theater durchlebte Harry verschiedene Episoden: Er führte ein Gespräch mit Goethe, erlebte seine Jugendlieben neu und nahm an einer wilden Automobiljagd teil. Am Ende fand er Hermine und Pablo nackt nebeneinander liegend und erstach Hermine. Pablo erklärte ihm, dass dies nur ein Spiel im magischen Theater gewesen sei, und dass Harry lernen müsse, den Humor des Lebens zu verstehen. Das Theater würde ihm nach zwölf Stunden wieder offenstehen.
Harry erkannte, dass er lernen musste, über sich selbst zu lachen und die verschiedenen Aspekte seiner Persönlichkeit zu akzeptieren. Mozart erschien ihm und lehrte ihn, die Radiomusik des Lebens anzuhören und ihren tieferen Sinn zu verstehen, statt sie zu verachten.
Ausführliche Zusammenfassung
Die Einteilung in Kapitel ist redaktionell.
Der Herausgeber lernt den Steppenwolf kennen
Ein junger Mann berichtete von seiner Begegnung mit Harry Haller, dem sogenannten Steppenwolf, der für etwa neun Monate in seinem Haus zur Miete wohnte.
Harry war ein eigenartiger Mensch von etwa fünfzig Jahren, der sich durch seine Ungeselligkeit und sein wolfsähnliches Wesen auszeichnete. Er lebte zurückgezogen in seiner Mansarde, umgeben von Büchern und klassischer Musik. Seine Vermieterin, eine verständnisvolle ältere Dame, nahm ihn trotz seiner Eigenheiten wohlwollend auf.
Der Steppenwolf hatte zwei Naturen, eine menschliche und eine wölfische, dies war sein Schicksal, und es mag wohl sein, daß dies Schicksal kein so besonderes und seltenes war.
Der Herausgeber beobachtete, wie Harry zwischen bürgerlicher Ordnung und künstlerischer Freiheit schwankte. Obwohl er die bürgerliche Welt verachtete, suchte er doch ihre Nähe und lebte in einem gepflegten Bürgerhaus. Seine Einsamkeit und innere Zerrissenheit wurden dem Herausgeber durch Harrys hinterlassene Aufzeichnungen deutlich.
Der Traktat vom Steppenwolf
Harry erhielt von einem mysteriösen Straßenhändler ein Büchlein mit dem Titel 'Traktat vom Steppenwolf'. Darin fand er eine präzise Analyse seiner Persönlichkeit und seines inneren Konflikts. Der Traktat beschrieb, wie Harry zwischen seiner menschlichen und seiner wölfischen Natur hin- und hergerissen war, unfähig, beide Seiten zu vereinen.
Nur war ich ein Steppenwolf und ein seltsamer Mensch, ein armer Narr, der keine Heimat mehr hatte und keine Freude mehr finden konnte.
Der Traktat enthüllte, dass Harrys Vorstellung von seiner Dualität eine Vereinfachung war. In Wirklichkeit bestand seine Persönlichkeit aus tausenden Seelen, nicht nur aus Wolf und Mensch. Diese Erkenntnis sollte ihm helfen, sich von der vereinfachenden Zweiteilung zu lösen und sein wahres Selbst zu entdecken.
Harrys Krise und Selbstmordgedanken
Nach einem missglückten Abendessen bei einem Professor, wo Harry sich über ein seiner Meinung nach verfälschendes Goethe-Porträt aufregte, erreichte seine Lebenskrise einen Höhepunkt. Er fühlte sich völlig isoliert von der bürgerlichen Gesellschaft und spielte ernsthaft mit Selbstmordgedanken.
In seiner Verzweiflung streifte Harry durch die nächtliche Stadt und landete schließlich in einer Kneipe namens 'Zum Schwarzen Adler'. Dort begegnete er einer jungen Frau, die sein Leben grundlegend verändern sollte.
Die Begegnung mit Hermine
In der Kneipe traf Harry auf eine geheimnisvolle junge Frau namens Hermine, die ihn sofort durchschaute und verstand. Sie erkannte seine Verzweiflung und bot ihm ihre Hilfe an, unter der Bedingung, dass er ihr gehorchen müsse.
Wer die Zeit und die Welt, das Geld und die Macht den Kleinen und Flachen gehört, und den andern, den eigentlichen Menschen, gehört nichts. Nichts als der Tod.
Harry lernt das Tanzen
Hermine begann, Harry in die Welt des Vergnügens einzuführen. Sie brachte ihm das Tanzen bei und zwang ihn, sich mit der modernen Unterhaltungskultur auseinanderzusetzen. In dieser Zeit lernte Harry auch den Saxophonisten Pablo kennen.
Die Beziehung zu Maria
Durch Hermine lernte Harry die schöne Maria kennen, die seine Geliebte wurde. Mit ihr erlebte er eine Zeit sinnlicher Freuden und lernte, sein Leben wieder zu genießen. Maria führte ihn in die Geheimnisse der körperlichen Liebe ein und half ihm, seine verkrampfte Haltung gegenüber dem Leben zu lösen.
Philosophische Gespräche mit Hermine
In tiefen Gesprächen mit Hermine erörterte Harry die Fragen des Lebens und der Unsterblichkeit. Hermine sprach von der Ewigkeit und dem Reich der Heiligen, in dem die wahren Menschen zu Hause seien. Sie erklärte Harry, dass er lernen müsse, zu lachen und das Leben nicht so ernst zu nehmen.
Es gibt keine Nachwelt, nur Mitwelt. In der Ewigkeit gibt es keine Nachwelt, nur Mitwelt. Es gibt in der Ewigkeit keine Nachwelt, nur Mitwelt.
Der Maskenball beginnt
Der große Maskenball in den Globussälen wurde zum Wendepunkt in Harrys Leben. Hermine erschien zunächst als junger Mann verkleidet und später als bezaubernde Pierrette. Harry tanzte die ganze Nacht und erlebte einen Rausch der Sinne und der Gemeinschaft.
Das Magische Theater
Nach dem Ball führte Pablo Harry in sein 'Magisches Theater', einen surrealen Ort voller Türen und Spiegel. Hier sollte Harry lernen, die verschiedenen Facetten seiner Persönlichkeit zu erkennen und zu akzeptieren. In verschiedenen Episoden erlebte er seine Ängste, Wünsche und Fantasien.
Sie sollen lachen lernen, das wird von Ihnen verlangt. Sie sollen den Humor des Lebens, den Galgenhumor dieses Lebens erfassen.
Hermines Tod und das Urteil der Unsterblichen
Im Magischen Theater fand Harry Hermine und Pablo nackt und schlafend vor. Von Eifersucht und dunklen Impulsen getrieben, erstach er Hermine. Diese Tat führte zu seinem Prozess vor dem Gericht der Unsterblichen, wo Mozart selbst als Richter auftrat. Statt der erwarteten Todesstrafe wurde Harry zum ewigen Leben und zum Lernen des Lachens verurteilt.
Einmal würde ich das Figurenspiel besser spielen. Einmal würde ich das Lachen lernen. Pablo wartete auf mich. Mozart wartete auf mich.