Effi Briest (Fontane)
Sehr kurze Zusammenfassung
Preußen, Ende des 19. Jahrhunderts. Die siebzehnjährige Effi Briest wurde mit dem zwanzig Jahre älteren Baron von Innstetten verheiratet, einem ehemaligen Verehrer ihrer Mutter.
In Kessin, wo Innstetten als Landrat tätig war, fühlte sich Effi einsam und verängstigt durch ein angeblich spukendes Haus. Sie begann eine Affäre mit Major Crampas, einem verheirateten Offizier.
Jahre später, als Innstetten längst als Ministerialrat in Berlin lebte, entdeckte er zufällig alte Liebesbriefe von Crampas an Effi. Er forderte Crampas zum Duell und tötete ihn. Effi wurde verstoßen und von ihrer Tochter Annie getrennt.
»Ich habe geglaubt, daß er ein edles Herz habe, und habe mich immer klein neben ihm gefühlt; aber jetzt weiß ich, daß er es ist, er ist klein. Und weil er klein ist, ist er grausam. Alles, was klein ist, ist grausam."
Nach Jahren der Einsamkeit durfte Effi auf das Gut ihrer Eltern nach Hohen-Cremmen zurückkehren. Dort starb sie, versöhnt mit ihrem Schicksal, aber gebrochen an den gesellschaftlichen Konventionen ihrer Zeit.
Ausführliche Zusammenfassung
Die Einteilung in Kapitel ist redaktionell.
Effis Jugend und Verlobung mit Baron von Innstetten
Im Herrenhaus der Familie von Briest in Hohen-Cremmen lebte die siebzehnjährige Effi mit ihren Eltern. An einem Sommertag arbeitete sie mit ihrer Mutter im Garten an einem Altarteppich, unterbrach die Arbeit aber immer wieder für gymnastische Übungen.
Als Baron von Innstetten, ein alter Verehrer ihrer Mutter und nun Landrat in Kessin, zu Besuch kam, wurde Effi überraschend mit ihm verlobt. Innstetten war mehr als zwanzig Jahre älter als sie.
»Ich bin für gleich und gleich und natürlich auch für Zärtlichkeit und Liebe. Und wenn es Zärtlichkeit und Liebe nicht sein können, weil Liebe, wie Papa sagt, doch nur ein Papperlapapp ist, nun, dann bin ich für Reichtum..."
Hochzeit und Umzug nach Kessin
Nach der Hochzeit reiste das junge Paar nach Italien. In Briefen an ihre Eltern berichtete Effi von Museumsbesuchen und Innstettens Erklärungen, äußerte aber auch Sehnsucht nach ihrem Zuhause. Nach der Rückkehr bezogen sie das Landratshaus in Kessin, ein altes Fachwerkhaus am Stadtrand. Effi war beeindruckt von der exotischen Einrichtung mit Haifisch und Krokodil, aber auch beunruhigt von Gerüchten über einen Spuk im Haus.
In Kessin fand Effi einen einzigen wahren Freund in dem Apotheker Gieshübler, der sie mit Aufmerksamkeiten und Blumen verwöhnte.
Das Leben im Kessiner Landhaus
Das Leben in Kessin gestaltete sich für Effi zunehmend einsam. Innstetten war oft dienstlich unterwegs, und die Gesellschaft der kleinen Stadt blieb ihr fremd. Besonders nachts litt sie unter Ängsten wegen des angeblichen Spuks eines Chinesen, der einst im Haus gelebt hatte. Als ihre Tochter Annie geboren wurde, stellte Effi das katholische Kindermädchen Roswitha ein, die ihr treu ergeben war.
»Man ist nicht bloß ein einzelner Mensch, man gehört einem Ganzen an, und auf das Ganze haben wir beständig Rücksicht zu nehmen, wir sind durchaus abhängig von ihm... Man hat eben kein Recht, sich selbst zu leben."
Die Beziehung zu Major von Crampas
Eine Wendung in Effis Leben brachte die Ankunft des neuen Landwehrbezirkskommandeurs Major von Crampas. Er war verheiratet, charmant und weltgewandt. Während gemeinsamer Ausritte und Theaterproben entwickelte sich zwischen ihm und Effi eine Affäre.
»Es brach wieder über sie herein, und sie fühlte, daß sie wie eine Gefangene sei und nicht mehr heraus könne... So kam es, daß sie sich in ein verstecktes Komödienspiel mehr und mehr hineinlebte."
Umzug nach Berlin und scheinbarer Neuanfang
Nach sieben Jahren in Kessin wurde Innstetten ins Ministerium nach Berlin berufen. Effi war erleichtert über den Umzug, der ihr wie eine Befreiung erschien. In Berlin bezogen sie eine Wohnung in der Keithstraße. Das gesellschaftliche Leben in der Hauptstadt und Innstettens beruflicher Aufstieg schienen einen Neuanfang zu ermöglichen. Effi fand Anerkennung in der Gesellschaft und wurde sogar vom Kaiser auf einem Hofball angesprochen.
Die Entdeckung der Briefe und das Duell
Die scheinbare Idylle wurde zerstört, als Annie eines Tages stürzte und beim Suchen nach Verbandsmaterial in Effis altem Nähtisch Liebesbriefe von Crampas gefunden wurden. Innstetten, erschüttert von der Entdeckung der Jahre zurückliegenden Affäre, suchte Rat bei seinem Freund Wüllersdorf.
»Schuld, wenn sie überhaupt was ist, ist nicht an Ort und Stunde gebunden und kann nicht hinfällig werden von heute auf morgen. Schuld verlangt Sühne; das hat einen Sinn. Aber Verjährung ist etwas Halbes."
Trotz Wüllersdorfs Einwänden bestand Innstetten auf einem Duell mit Crampas, das er als gesellschaftliche Notwendigkeit sah. In den Dünen von Kessin kam es zum Duell, bei dem Crampas tödlich getroffen wurde. Seine letzten Worte blieben unvollendet.
Effis Verstoßung und Einsamkeit
Effi, die sich gerade zur Kur in Ems befand, erfuhr durch einen Brief ihrer Mutter von den Ereignissen. Sie wurde von der Gesellschaft geächtet und von ihren Eltern verstoßen. Auch ihre Tochter Annie durfte sie nicht mehr sehen. Sie bezog eine bescheidene Wohnung in Berlin, wo nur Roswitha bei ihr blieb. Nach drei Jahren einsamen Lebens wurde ihr ein kurzes Wiedersehen mit Annie gewährt, das jedoch in tiefer Enttäuschung endete.
»Ich möchte auf meinem Stein meinen alten Namen wiederhaben; ich habe dem andern keine Ehre gemacht... Und das Traurigste für uns und für Dich ist - auch das elterliche Haus wird Dir verschlossen sein."
Rückkehr nach Hohen-Cremmen und Tod
Schließlich holten ihre Eltern die kranke Effi nach Hohen-Cremmen zurück. Dort lebte sie noch einige Monate, gepflegt von ihrer Mutter und besucht von alten Freunden. Kurz vor ihrem Tod bat sie ihre Mutter, Innstetten auszurichten, dass sie ihm vergebe.
»Ja, und es liegt mir daran, daß er erfährt, wie mir hier klargeworden, daß er in allem recht gehandelt. In der Geschichte mit dem armen Crampas - ja, was sollte er am Ende anders tun?"
Nach Effis Tod saßen ihre Eltern vor ihrem Grab im Garten von Hohen-Cremmen. Sie diskutierten, ob sie eine Mitschuld an Effis Schicksal trugen, weil sie sie zu jung verheiratet hatten. Rollo, der treue Hund, der Effi aus Kessin gefolgt war, lag neben dem Grab und verweigerte das Futter. Die Geschichte endete mit den nachdenklichen Worten des alten Briest über die Komplexität von Schuld und Verantwortung in der Gesellschaft.